Blind fühlen?

Vertrauen erleben? Vertrauen geben?

Firmvorbereitung – Mag. Willi Brunner

Vertrauen fühlen, Vertrauen geben

Vertrauen fühlen, Vertrauen geben


Wie fühlt man sich, wenn man nichts sieht?
Wie ist es, blind ein Bild zu malen?
Wie ist es, geführt zu werden? Wie ist es, jemanden zu führen?
Wie ist es, Vertrauen zu jemanden zu haben?
Wie ist es, Vertrauen nicht zu missbrauchen?
Diese Erfahrungen konnten die zukünftigen Firmlinge in Jennersdorf machen.

Herzlichen Dank an Mag. Brunner und an alle Mitwirkende, die diese Erfahrungen ermöglichten.
Ich wünsche diesen Kindern, dass ihnen in ihrem Leben nie Menschen begegnen, die mit ihrem Vertrauen spielen.

http://www.seblibu.at

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5 Antworten zu “Blind fühlen?

  1. Hallo
    Hm. Ich finde, dass diese „Übungen“ zwar sicherlich spannend für Sehende sind, aber mit der Situation des Vertrauens bzw. Vertrauen müssens, in der Blinde sind, haben sie meiner Meinung nach nur wenig zu tun. Als jemand der geburtsblind ist, ist es für mich völlig normal, von anderen geführt zu werden. Das ist also schlichte Gewohnheit. Ich weiß nun nicht genau, wie es für Späterblindete ist, aber in Gesprächen wurde das nie als etwas erwähnt, dass ein Problem darstellt. Warum auch? Ich meine, dem anderen nicht zu vertrauen, würde bedeuten, man unterstellt ihm er führt einen vor die Wand, lässt einen stolpern o.ä.. Dafür gäbe es zwei Gründe: Entweder Absicht. Aus dem Alter sind Erwachsene denn doch schon raus. Oder farlässigkeit. Auch das ist eher selten. Wer mag schon Schuld sein, dass einem anderen etwas passiert. Und diese „Übungen“ sind noch dazu ich sage mal Testsituationen. Also Situationen in denen die Leute wissen, dass sie beobachtet werden, und sich außerdem genau auf das konzentrieren, was sie tun. Von daher ist auch das sehr unwahrscheinlich. Von daher kann es für Sehende sicher eine interessante Erfahrung sein, wenn plötzlich die visuellen Informationen fehlen, und auch in beschränktem Maße, dass damit eine gewisse Hilflosigkeit verbunden sein kann. Aber auch das eigentlich nicht wirklich, da die Leute ja diese „Übungen“ zum einen nicht in fremder Umgebung machen, und zum Anderen ja wissen, dass Hilfe sofort erreichbar ist.
    Fazit: Ich denke diese Erfahrungen zu machen, kann Leuten helfen die Probleme von blinden Menschen näher zu bringen. Aber mit Vertrauen hat das sehr wenig zu tun.
    Was das echte leben betrifft, denke ich, dass man unterscheiden muss zwischen Vertrauen zu einem Menschen, und Vertrauen in seine Fähigkeiten. Bei ersterem geht es darum, ob man glaubt, dass einem jemand absichtlich, durch Farlässigkeit oder aufgrund von Gedankenlosigkeit bzw. maNgelndem Einfühlungsvermögen Probleme bereiten könnte. Bei Letzterem geht es darum ob jemand in der Lage ist, die Anforderungen einer Situation zu erfüllen.
    So bin ich z.B. sehr skeptisch, wenn mir ein sehender Fremder einen Weg beschreibt. Nicht weil ich denke, dass derjenige möchte dass ich mich verlaufe, und oftmals auch nicht weil ich glaube, dass er sich keine Mühe gibt. Sondern weil ich den meisten Sehenden nicht zutraue, einen Weg mit genügend Details zu beschreiben, dass ich damit erfolgreich zum Ziel komme. Dagegen lasse ich eigentlich nie kontrollieren, ob eine Pizza, die mir jemand aus der Kühltruhe im Supermarkt gibt, tatsächlich die Sorte ist, die ich haben möchte.
    Wie ist es Vertrauen nicht zu missbrauchen? Solche Aussagen verwirren mich immer ein wenig. Ich meine, jeder ist doch sicher schon mal nach dem Weg gefragt worden. Oder hat einem gestressten Menschen, der Zug, Bus oder Straßenbahn gerade noch erreicht bevor die Tür zu geht, auf die Frage ob dieses Verkehrsmittel denn tatsächlich dort hinfährt, wo er hin möchte/muss geantwortet. Ich bezweifle, dass der „Durchschnittsmensch“ in diesen Situationen auf die Idee käme, eine falsche Auskunft zu geben. Und die Konsequenzen für den Fragesteller könnten wesentlich weitreichender sein, als wenn man jemanden tatsächlich vor einen Stuhl laufen ließe.
    Gruß Günni

  2. leseguenni

    Hallo
    Also, Bilder beschreibt man halt ganz normal als Situationen, oder Landschaften oder was auch imer darauf zu sehen ist. Mir persönlich reicht dabei meist eine relativ grobe Beschreibung. Ansonsten frage ich konkret nach. Ansonsten benutzt man halt Adjektive und Vergleiche von denen man weiß, dass der Zuhörer was damit anfangen kann. z.B. Der Baum ist höher als das Haus o. ä. Für Farben benutzt man halt die Adjektive deren Assoziationen sie auslösen. Also was weiß ich: tomatenrot, kotzgrün ein dunkleres orange als Apfelsinen. Da wir es nicht so mit dem räumlichen Denken bzw. vorstellen haben, ist es zumindest mir immer schwer gefallen zu verstehen, wie auf einem flachen Bild etwas weiter vorn, oder weiter hinten sein kann. Ich habe den Versuch einfach irgendwann aufgegeben, und es hingenommen.
    Wegen der Computerspiele:
    gameport ein Teil der blindzeln-Plattform hat reichlich Infos über Computerspiele für blinde.
    ansonsten
    http://www.audiogames.net hat meines Wissens nach die größte Sammlung. Allerdings kommt man bei Computerspielen um Englischkenntnisse nur selten drumrum.
    Gruß Günni

  3. Liebe Günni,
    herzlichen Dank für deine zahlreichen Auskünfte.
    An so etwas denkt man eigentlich gar nicht, dass es ein Problem sein könnte, „etwas weiter vorn“ oder „da hinten“ zu deklarieren.
    Jetzt hätte ich aber eine weitere Frage: Kennst du skype? Denkst du es wäre eine Möglichkeit über skype blinde Menschen zu verbinden?
    glg aus dem Burgenland
    Gabi

  4. leseguenni

    Hallo
    Ja ich kenne Skype, und benutze es auch, wenn auch im Moment eher unregelmäßig. Das Telefonieren ging auch ganz gut. Chatten fand ich etwas anstrengend, wobei ich aber nicht weiß, ob das an der teilweise schwierigen Bedienbarkeit des Programms oder meinen mangelnden Kenntnissen lag. „Schultern zuck“ Unabhängig von Skype, weiß ich aber dass es durchaus auch andere Chatprogramme gibt, die auch von blinden genutzt werden. Und auch Skype selbst wird genutzt. Von einer Freundin weiß ich z.B. dass sie regelmäßig eine Skypekonferrenz mit anderen aus ihrer Führhundmailingliste abhält.
    Gruß Günni

  5. Gabriele Billovits

    Liebe Günni,
    herzlichen Dank für deine wirklichen wertvollen Hinweise, jetzt würde ich auch engagierte BlindenlehrerInnen benötigen, die das auch umsetzten. Mein Wunsch ist, Menschen über Internet zu vernetzen. Gelingt teilweise auch über Plattform http://www.seblibu.at

    Wir chatten jede Woche mit blinden SchülerInnen, diesmal möchte ich auch einige meiner sehenden SchülerInnen am Chat teilnehmen lassen.
    Miteinander – voneinander lernen? Vielleicht gelingt es, wenigstens ansatzweise.
    Einen schönen Tag und vielen Dank!
    lg
    gabi

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